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Corona, die Presse, die Impfung

von Gerold Wallner

Dass die Impfung positiv besetztes Thema Nr. 1 in der veröffentlichten Meinung ist, ist nicht unbedingt so klar, wie es erscheint. Zwar wurden Hoffnungen geweckt, der Bundeskanzler sprach vom Licht am Ende des Tunnels, der Gesundheitsminister versprach einen Impfplan, der der Bevölkerung einen Sommer wie früher bescheren sollte, aber dann wurden teils tödliche Nebenwirkungen bekannt. Die wurden zwar mit mathematischen Tricks heruntergerechnet, der Boy-Group-Virologe Drosten sprach davon, dass es doch auffällig sei, dass es sich bei den Todesopfern um Frauen handle, die ohnehin ein erhöhtes Thrombose-Risiko zeitlebens hätten, es sich also um statistische Ausreißer handeln könnte, aber klarerweise waren die Meldungen rund um Astra Zeneca nicht gerade vertrauensbildend.

Trotzdem kann in den Leserforen der Tageszeitung „Der Standard“ (aber auch in Kommentaren der Wochenzeitung „Falter“) ein Trend vorgefunden werden, der sich so beschreiben lässt: „Bitte impft uns doch, und zwar so schnell wie möglich und so viel wie möglich!“ Vor allem, wenn es sich um Kommentare handelt, die sich auf Artikel zu den politischen Schaumschlägereien von Kurz und Konsorten beziehen, ist diese Ausrichtung ganz deutlich zu sehen: „Lasst uns doch mit politischem Hickhack in Ruhe und kümmert euch darum, dass wir alle geimpft werden.“

Impfung als rationaler Ausweg aus der Gesundheitskrise steht hoch im Kurs, Auseinandersetzung mit gentechnologisch basierter Medizin findet nicht statt. Ich kann dazu auch nichts beitragen; ein jedes findet die entsprechenden Hinweise im Internet, auch auf Seiten, die eher affirmativ und positiv informieren, aber doch die Fragezeichen nicht verbergen können, etwa wenn bei der Beschreibung von Vektorimpfstoffen dazu gesagt wird, dass sie zwar anhand von Ebola entwickelt, aber wenig angewandt wurden.

Ich bin kein medizinischer Fachmann, aber ich kenne mich in unserer Gesellschaft aus. Und da sind für mich die bedingungslosen und besinnungslosen Zustimmungen zu den Impfungen viel bedenklicher, wenn diese nicht nur mit medizinischer Aktivität verbunden sind – einer Aktivität, die einerseits billigerweise zu erwarten ist, wenn sich dabei andererseits die Frage stellt, warum die Forschung und Behandlung nur über Impfungen erfolgen soll und nicht über Medikamente.

Aber sei dem, wie ihm sei. Jedenfalls wird die Impfung an ein Instrument geknüpft, oder in Wirklichkeit umgekehrt, ein Instrument wird mit der Impfung mitgeimpft, das zur Kontrolle und Überwachung der Bevölkerung und zur Segmentierung in Willfährige und Ungehorsame bestens geeignet ist – der Impfpass. Das erklärt auch den (politischen und ökonomischen) Vorzug der allgemeinen Impfung vor der individuellen medikamentösen Behandlung und lässt die Beiträge der Leserforen im Standard in einem trüben Licht der Auswahl erscheinen, wenn da auch noch ein verständlicher Aufschrei erklingt: „Macht uns gesund und lasst uns wieder ins Kino, ins Wirtshaus, auf den Fußballplatz!“ Dass da Leute „gesund gemacht“ werden, die nie krank waren, geschenkt.

Dass für die Erfüllung der Sehnsucht nach sozialen Kontakten die bereitwillige Mitteilung an die Herrschaft „wer wann mit wem“ in Kauf genommen wird, steht auf einem anderen Blatt. Ich hab das schon einmal als Menetekel formuliert: „Wir werden jede Schönfärberei akzeptieren, die uns die Pille versüßen wird: Die Luft wird besser, die Städte sind nicht so überfüllt, mit Autos nicht und mit Touristen nicht, die Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz ist aufgehoben (freut euch doch, auch die Bürokratie von Arbeit,nehmer‘schutz und Arbeitsplatzhygiene kann abgebaut werden und die Arbeit,geber‘ kann man von so genannten Lohnnebenkosten entlasten oder es kann die Kontrolle des privaten Bereichs rund um das home office ausgebaut werden, je nach Bedarf), wir werden das Kind mit dem Bad ausgießen, wenn wir nur noch ausgesuchte Urlaubsreisende aus ausgesuchten Ländern aufnehmen und uns gleichzeitig mit internationalen Kontakten verdächtig machen (klingt zwar ein wenig nach Ostblocktourismus, aber was macht das schon). Aber auch mit nationalen und regionalen Kontakten werden wir uns verdächtig machen. Wir werden uns überhaupt mit Kontakten verdächtig machen.“ 

Also: haltet Kontakt!

Gerold Wallner,

geboren 1953 in Wien, Publizist.

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