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Toll, dieser Panzerfeminismus

von Ulrike Baureithel

Ginge es nach dem Meinungsunternehmer Wolfram Weimar, hieße die deutsche Verteidigungsministerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Diese brachte sich in den beginnenden Ukraine-Krieg damit ein, dass sie die hiesigen Generäle wegen ihres „Geschwurbels“ zurechtwies. Dann wäre das Kürzel MASZ vielleicht schon so populär wie einst das AKK von Annegret Kramp-Karrenbauer, der vorangegangenen politischen Generalin der Bundeswehr.

Seitdem mit Ursula von der Leyen und AKK Politikerinnen über Militärisches nicht nur reden, sondern auch entscheiden dürfen, ist es in der weiblichen Etappe chic geworden, über Kriegsstrategie, schweres Gerät und, ja, sogar den soldatischen Heldentod zu schwadronieren – so wie kürzlich Marieluise Beck mit dem ihr eigenen Pathos. Gar nicht zu reden von Politikwissenschaftlerin Florence Gaub, die sich in der Talkshow Markus Lanz über die Russen ausließ, welche als „Nichteuropäer“ mental ein ganz anderes Verhältnis zu Gewalt und Tod hätten als wir hier im Westen.

Auch bei Markus Lanz: Wirtschaftsjournalistin und Aufrüstungsbefürworterin Ulrike Herrmann, die über Einzelheiten des Panzers fachsimpelte, als hätte sie das Schützenhandwerk selbst mal gelernt. Unions-Politikerin Serap Güler propagiert schon seit Langem die Lieferung schweren Kriegsgeräts. Ihre grüne Kollegin Agnieszka Brugger erklärte dem Nachrichtenportal Watson kürzlich, weshalb sie das Aufrüstungsprojekt unterstützt.

Es scheint so, dass mit der Kehrtwendung Deutschlands, das nicht mehr „abseits stehen darf“, wie Politikwissenschaftlerin Ronja Kempin dekretiert, auch die Frauen nicht mehr abseits stehen wollen in einem Diskurs, in dem Alternatives zu Militärischem gar nicht mehr gedacht werden darf. Man muss „die Mädels“ nicht arrogant abservieren wie Kanzler Olaf Scholz, der sich, da steht er seinem sozialdemokratischen Vorgänger Gerhard Schröder in nichts nach, von ihnen nichts sagen lassen will.

Dass sich Frauen einmischen, ist Folge eines langen Kampfes. Doch dass die rhetorischen Überbietungen auch noch emanzipatorisch verbrämt werden – Stichwort „feministische Außenpolitik“ – und der Krieg plötzlich zu einer „Frauensache“ erklärt wird, ist in der Tradition feministischer Bewegung doch einigermaßen irritierend.

Wie wird wohl die aufgerüstete Frauenfront reagieren, sollten am Ende doch ihre raren und wertvollen Söhne in den Krieg ziehen müssen, die, siehe oben, ja ein ganz anderes Verhältnis zum Tod haben als die Männerhorden jenseits der europäischen Demarkationslinie?

Der Beitrag erschien zuerst in der Wochenzeitung "Freitag" in Ausgabe 18/2022. Wir danken Ulrike Baureithel und der Redaktion für die Möglichkeit, ihn verwenden zu dürfen.

Ulrike Baureithel,

geboren 1957 in Freiburg/Breisgau. Studium der Literaturwissenschaften und Geschichte. Journalistin.

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