email whatsapptwitter facebook

Also so haben wir uns das aber nicht vorgestellt, oder?

von Roland Düringer

Da kommt so ein kleines Etwas, das man mit freiem Auge nicht einmal sieht, dem sogar – von jenen, die dies zu wissen behaupten – jegliches Leben abgesprochen wird, einfach so daher und plötzlich befinden wir uns in Umständen, die doch nun einmal wirklich kein Zustand sind. Da werden Mythen erzählt, da wird Panik gemacht, Schuldgefühle werden geweckt, da wird „Leben verlängern“ in „Leben retten“ umgedeutet, die einstmals ach so objektive Berichterstattung verkommt zur Propaganda. Grund- und Freiheitsrechte werden mit Füssen getreten und der Nachbar geht in seiner neuen Rolle als Blockwart auf etc. etc.

Dieser Zustand entspricht ganz und gar nicht unserer Vorstellung, wie ES sein sollte. Und deswegen sind wir zornig und böse auf ES.

Aber: Was kann ES dafür, dass wir eine falsche Vorstellung von ES im Kopf haben. Jetzt ehrlich, sind wir wirklich überrascht über das, was gerade passiert? Wo waren wir die letzten dreißig Jahre, dass wir uns plötzlich in einem schlechten Film wähnen? War das, was wohl als „Schwarzer Schwan“ in die Geschichtsbücher eingehen wird, nicht schon längst am Horizont erkennbar? Waren die Krümel, die wir uns gegenseitig vor unsere Füße geworfen haben, so interessant, dass wir Angst hatten, bei einem längeren Blick zum Himmel etwas ganz Wichtiges zu versäumen? Was ist schon wichtig? Die Gesundheit natürlich und die Freiheit! Und die Wahrheit natürlich!

Was, wenn die Ameisen näher an der Wahrheit dran sind als der Homo sapiens? Keine Mythen, keine Behauptungen, keine widersprüchlichen wissenschaftliche Studien. Was, wenn das Licht am Ende des Tunnels ein entgegenkommender Zug ist? Oder noch schlimmer: die Rückkehr zur „Alten Normalität“? Ich habe diese „Alte Normalität“ immer mit Skepsis betrachtet.

Mit Verlaub: Über WhatsApp, YouTube etc. den Verlust der persönlichen Freiheit zu beklagen ist so, als würde man sich mit einer brennenden Zigarette ins Bett legen und sich dabei kurz vor dem Einschlafen vor dem Löschzug der Feuerwehr und dem dann verursachten Wasserschaden fürchten. 

Roland Düringer,

geboren 1963 in Wien. Kabarettist, Schauspieler, Aktivist. Zuletzt tritt er – soweit dies möglich ist – mit dem Programm „Africa Twinis“ auf.

    © 2021 Verein für kulturelle Information

    Impressum