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Eingebetteter Kriegsjournalismus

von Peter Nowak

„Die Jungs von ‚Asow‘ werden dort rauskommen und sie (die russischen Soldaten P.N.) verbrennen.“ Diesen Satz zitiert das Portal Obosrewatel Oleksi Arestowitsch. Dabei handelt es sich um eine Aussage des Chefs der ukrainischen Präsidialadministration, der ganz offen zu einem Kriegsverbrechen aufruft, das die ukrainischen Kameradschaften der Asow-Brigaden (https://www.nd-aktuell.de/artikel/1163113.ukraine-das-phaenomen-asow.html) verüben sollen, die aktuell noch in einer Fabrik am Rande von Mariupol von russischen Truppen eingeschlossen sind. Arestowitschs Drohung erfolgte, nachdem der russische Präsident angekündigt hat, die Fabrik nicht zu stürmen.

Dieser Drohung mit faschistischem Terror durch einen offiziellen Repräsentanten der Ukraine folgte in der Mehrzahl der Medien in Deutschland kein Aufschrei, der berechtigterweise erfolgt wäre, wenn solche Töne von der russischen Regierung gekommen wären. Dies ist nicht verwunderlich, denn die Medien in Deutschland von links bis weit rechts gerieren sich im Ukraine-Konflikt als eingebettete Journalist*innen, die selbst über die Nazis in der Ukraine keine kritischen Worte finden. Da kann der ukrainische Botschafter in Deutschland Andrij Melnyk die Asow-Kameradschaft verteidigen und einen Kranz am Grab des NS-Kollaborateurs und Antisemiten Stepan Bandera, eines Nationalheiligen des ukrainischen Nationalismus, ablegen, er wird auch dann noch von Medien verteidigt, die vor 20 Jahren ihr besonderes Augenmerk auf die Kritik Deutschlands und den Antisemitismus gelegt haben. Gerade jetzt wäre eine solche Kritik besonders nötig. Die Devise für einen kritischen Journalismus kann nur lauten, sich in dem Konflikt zwischen russischen und ukrainischen Nationalismus auf keine Seite zu stellen, die Opfer sowie die Deserteur*innen und Geflüchteten auf beiden Seiten zu unterstützen – und besonders die Rolle Deutschlands in den Fokus der Kritik zu nehmen.

Peter Nowak,

geboren 1960 in Fulda/Hessen. Freier Journalist und Publizist, u.a. auf der Plattform Telepolis und in der Berliner „Tageszeitung“.

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