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Portugal ist nicht im Krieg

von Max Wachter

Internationale Solidarität ist in Corona-Zeiten wichtig. Portugal kämpft mit den Folgen der Pandemie. Deutschland und Österreich leisten Hilfe. Internationale Unterstützung ist gut, in diesen Fällen allerdings auch fragwürdig.

Portugal ist nicht im Krieg, obwohl Politik und Medien diesen Zustand teilweise so vermitteln. Deutschland erscheint mit schwerem Gerät auf der Bildfläche. Die Luftwaffe bringt mit zwei großen Transport-Flugzeugen 26 Ärzte und medizinisches Pflegepersonal sowie 50 Beatmungsgeräte und 150 Krankenbetten nach Lissabon.

Bereits Tage vor dieser „Militärmission“ haben sich in Deutschland tätige portugiesische ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen unaufgefordert für einen Einsatz in ihrer Heimat gemeldet. Da wäre viel mehr möglich gewesen. Scheinbar hat die deutsche Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswehr-Chefin Annegret Kramp Karrenbauer keinen Wert auf eine zivile Hilfsaktion gelegt. Die Betten hätten sie sich sparen können. 

Die Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF und der damalige deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble haben ab 2011 auch für Portugal einen harten Sparkurs erzwungen. Im Bildungs- und Gesundheitswesen wurde ein Drittel der Kapazitäten vernichtet und ein Teil der öffentlichen Krankenanstalten privatisiert. Nun rächt sich dieser radikale Sparkurs. Besonders in der Intensivpflege gibt es einen großen Mangel. 4,2 Intensivbetten stehen pro 100.000 Einwohner zur Verfügung. Das ist EU-weit der letzte Platz. 

Gut ausgebildetes Personal sucht wegen unterbesetzter Stationen, den daraus resultierenden miserablen Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung das Glück im Ausland. 2015 verließen 2768 KrankenpflegerInnen und 707 ÄrztInnen Portugal. „Verfügbare Betten gibt es, aber das für die Pflege notwendige Personal können wir nicht mehr gewährleisten“, stellte Gesundheitsministerin Marta Temido Ende Januar 2021 fest. Sie zeigte sich bei der Ankunft der Hilfe aus Deutschland am 3. Februar dankbar.  

Der österreichische Kinder-Deportierer und Presse-Kanzler Sebastian Kurz kündigte Anfang Februar an, fünf Covid-Intensiv-Patienten und fünf anders schwer Erkrankte mit einem Bundesheer-Transporter von Portugal nach Österreich einfliegen zu lassen. Die Reaktion auf das aktionistische Hilfsangebot aus Wien: Die Gesundheitsministerin betont, eine Entsendung von portugiesischen Covid- oder anderen Patienten ins Ausland werde nicht erwogen. Diese Maßnahme wäre „nur eine letzte Lösung“. 

Es gibt noch eine Reserve mit nicht ausgelasteten Privatspitälern. Dort sind zehn Prozent der vorhandenen 10.000 Betten mit Covid-Erkrankten belegt. Das bundesdeutsche Team ist in einem Privatspital tätig! Fazit: Wirklich hilfreich wäre die Entsendung von portugiesisch-sprachigem medizinischem Personal.

Max Wachter,

geboren in Piringsdorf/Burgenland, lebt seit Jahren in Portugal. Herausgeber der ältesten und rebellischsten Straßenzeitung Österreichs „Uhudla“.

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