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Seit wann gibt es gute Kriege?

von Edith Binderhofer

Der Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine liegt jetzt rund 2 Monate zurück. Wie sich dieser Krieg weiter entwickeln wird, und wieviel Leid er noch verursachen wird, ist noch völlig unabsehbar. Eines ist bei Betrachtung der westlichen Medienlandschaft schon jetzt klar: In den letzten beiden Jahren wurde der Krieg gegen Covid gefochten.

Emmanuel Macron brachte es pointiert zum Ausdruck: „Nous sommes en guerre.“ - „Wir sind im Krieg.“

Und jeder, der an dem Sinn und der Art dieser Kriegsführung auch nur den geringsten Zweifel äußerte, wurde als „Coronaleugner“ gebrandmarkt. Eine ähnliche Entwicklung ist jetzt zu beobachten: Dem Totschlagargument „Corona-Leugner“ wurde blitzschnell ein weiteres zur Seite gestellt – das des „Putin-Verstehers.“ (Interessant auch, dass das Bemühen, alle Seiten eines an einem Konflikt Beteiligten verstehen zu wollen, etwas Verwerfliches sein soll und als Beschimpfung eingesetzt wird.)

Damit wird jede differenzierte Betrachtung dieses Krieges – z. B. seiner Vorgeschichte oder seiner möglichen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen und zwar weltweit (laut einem Beitrag von Karim El Gawhary im Weltjournal vom 27. 4. sind die Lebensmittelpreise in Ägypten, einem Land, in dem viele von Armut geknechtet sind, aufgrund der Abhängigkeit von russischem und ukrainischem Weizen schon jetzt explodiert )  – von Vorherein erstickt. Alle, die sich dafür einsetzen, diesen Krieg wie jeden anderen so schnell wie möglich durch Verhandlungen zu beenden, werden als „Putin-Versteher“ diskreditiert, und im schlimmsten Fall die ganze Welt so vorsätzlich in Brand gesteckt.

Seit wann gibt es gute Kriege? Sie sind mir nicht bekannt. Von Warren Buffet stammt der Satz: „Es gibt nur einen Krieg – den der Reichen gegen die Armen. Und wir werden ihn gewinnen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Edith Binderhofer,

geboren 1963 in Wien; Studium von Germanistik und Geschichte, tätig u.a. in den Bereichen Kulturvermittlung und als Autorin.

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