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Ohne 2G nicht ins Thermalbad

von Annette Groth

Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, dass ich nur mit einer 3 G-Regel in „mein“ Thermalbad, und nur mit 2G in „meinen“ Jazzclub darf, hätte ich ihn/sie für verrückt erklärt. Jetzt ist das alles schreckliche Realität und es könnte noch schlimmer kommen: derzeit erwägt die grün-schwarze Regierung in Baden-Württemberg die Einführung der 2G-Regel für Kinos und Theater. Die Gastronomen dürfen noch frei entscheiden, ob sie Negativ-Getestete in ihre Restaurants lassen. Die Wirtin eines Lokals betont, dass sie Gastronomin und nicht beim Gesundheitsamt angestellt sei. Was wird sie sagen, wenn die Polizei bei ihr aufkreuzt und kontrolliert, ob sie die GGG Verordnung einhält und die Kontaktdaten ihrer Gäste erhebt. Die Polizeikontrollen kündigte der Grüne Gesundheitsminister in der Stuttgarter Zeitung vom 18. Oktober 2021 mit den Worten an: „Wer sich an die Regeln hält, hat nichts zu befürchten.“  Als ich kürzlich von solchen Polizeirazzien in Frankreich hörte, war ich schockiert, jetzt bin ich ebenso entsetzt und hoffe auf Proteste der Wirte und ihrer Gäste.

Leider zeigt die Erfahrung der letzten Monate, dass die meisten Menschen so verängstigt und miss-informiert sind, dass sie die Corona-Maßnahmen, begleitet von zunehmender Aushöhlung demokratischer Grundrechte und Überwachung, kritiklos hinnehmen. Meiner Ansicht nach müsste ein Aufschrei durchs Land gehen, nachdem die Stadträte in Leverkusen, einer Pharmaindustriestadt in Nordrhein-Westfalen, am 6. Oktober in einer Allgemeinverfügung ALLE privaten und städtischen Einrichtungen dazu aufgerufen haben, nicht-geimpfte Menschen in kein Hotel und keine Gaststätte zu lassen, ihnen den Zugang zu jeglicher Kultur- oder Sportveranstaltung und fast allen anderen für den Publikumsverkehr offenen Einrichtungen in geschlossenen Räumen zu verweigern. Zutritt sollen sie nur noch zu lebensnotwendigen Einrichtungen haben. Das ist ebenso ungeheuerlich wie die Verordnung der schwarz-grünen hessischen Landesregierung vom 15. Oktober, wonach Einzelhändlern erlaubt ist, Menschen ohne Impfausweis den Zutritt zu verwehren.

Beängstigend ist das Ausmaß der Diffamierung von Corona-kritischen Stimmen, seien es WissenschaftlerInnen, JournalistInnen, PolitikerInnen oder Kulturschaffende. Bereits im April 2021 haben SchauspielerInnen mit Video-Interventionen #allesdichtmachen die Maßnahmen hinterfragt, mit #allesaufdentisch haben sie kürzlich eine Neuauflage veröffentlicht, die ein erschreckendes Denunziationsgewitter in zahlreichen Mainstreammedien nach sich zog. Diese Mutigen haben meinen größten Respekt und ich wünsche viele NachahmerInnen!

Wenn es mehr JournalistInnen wie OLE SKAMBRAKS gäbe, der am 5.10. einen lesenswerten Beitrag „Ich kann nicht mehr“ veröffentlichte (https://multipolar-magazin.de/artikel/ich-kann-nicht-mehr), wäre der öffentliche Diskurs in Deutschland sicher mehr durch wissenschaftsbasierte Fakten geprägt und weniger durch Panikmache und Denunziation Andersdenkender. Angesichts der zunehmenden Zensur durch Facebook und andere „unsozialen“ Medien wäre das absolut notwendig!

Annette Groth, geboren 1954 in Gadderbaum/Nordrhein-Westfalen, Studium der Volks- und Betriebswirtschaft sowie der Internationalen Politik an der FU Berlin, von 2009 bis 2017 Bundestagsabgeordnete der Partei „Die Linke“.

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