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Die soziale Gesellschaft ist in Gefahr

von Anna Werksnies

Die beste Strategie, jemanden fügsam/folgsam oder angepasst zu machen, ist ihm schlicht und einfach Angst einzujagen. Je ängstlicher ein Mensch wird, desto mehr ist dieser bereit, alles zu tun, um die mächtige Emotion Angst los zu werden.

Massen können die „Befreiung“ von der Angst nicht in sich selber finden, sondern sind auf einen externen Helfer angewiesen. In diesem Moment sollte der Ritter in der goldenen Rüstung als der Befreier in der Not ganz vorne stehen. Imageberater, Kommunikationsexperten, Chaos-Architekten und Lobbyisten sind hierbei wichtige Mitstreiter; das kostet was, lohnt sich aber.

Die stabilste Bindung entsteht, wenn emotional geladene Bedrohungsszenarien (z.B. Dauerbrenner Migration oder Spontanvorkommen Corona) immer wieder massiv polarisierend in die Masse getragen werden. Die Argumente müssen nicht zwingend logisch oder stichhaltig sein, sie müssen nur leicht und schnell bei vielen ankommen. Twitter ist hierfür das beste Beispiel: Kurze emotionale Statements mit maximaler Auswirkung auf das menschliche Verhalten. Einige wenige Machthaber steuern Massen und zerstören somit den Grundgedanken der Demokratie.

Dafür werden bedrohliche Szenarien (Bsp.: Migration, Steuer, Corona etc.) verwendet, um eine höhere Schlagkraft der gewünschten Botschaften zu erzielen und zu polarisieren. Denn bei Angst entsteht der große Drang (Überlebensstrategie) sich an jemanden zu binden der Abhilfe verspricht. Dabei spielt nicht so sehr die Qualität des Befreiers/Ritters eine Rolle, sondern die Präsenz, die Macht und die Dominanz. Eine Weile verharrt der Mensch in dieser Bindungstendenz an den Befreier und die Masse verhält sich ruhig und angepasst.

Wenn die Angst aber zu lange bestehen bleibt, wechselt das System auf ROT. Der Mensch beginnt Wut/Genervtheit zu empfinden und braucht ein Ventil: Jetzt wird ein Sündenbock gesucht!

Wen oder was diese Wut trifft, ist oftmals nicht logisch rational. Von zentraler Bedeutung ist nun die Haltung des Befreiers, der einen Sündenbock liefern muss.

Das dramatische daran ist, dass durch die überdauernde Krise die Empathiefähigkeit der Menschen abnimmt und die Selbstüberhöhung steigt, sodass die Sündenböcke zunehmend unter verbalen und physischen Druck geraten. Bekannt ist, dass Politiker gerne die Rolle des „Befreiers“ einnehmen, nach Macht streben und sich dieser einfachen Strategie bedienen.

Wenn nun diese Rolle des allmächtigen Befreiers nicht aufgegeben/geöffnet wird, droht eine gesellschaftliche Krise.

Nach der Angst kommt die Wut und mit ihr der Verlust an Solidarität, Integrität und Loyalität. Unsicherheiten, Aggressionen und Misstrauen werden still und heimlich zu ständigen Begleitern unseres Alltages.  Die Gesellschaft zerbricht in Subgruppen, die einander bekämpfen.

Vielleicht wird genau aus diesem Grund eine Überwachung aller zum einzigen Mittel, Ordnung und Sicherheit gewährleisten zu können.

Anna Werksnies,

ist klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin in Wien.

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